VEREIN FÜR TIER- UND NATURFOTOGRAFIE ÖSTERREICH

Die österreichische Plattform für innovative Naturfotografie

Westkreta - Ende Oktober

Ein Bericht von Martin Stolz

mst1711 4111

Noch ein wenig Spätsommerfeeling, im Meer baden, die ein oder andere kulinarische Köstlichkeit genießen, einen möglichst kurzen Direktflug und vielleicht ein paar ansprechende Naturfotos – das waren die Zielsetzungen für unseren Familienkurzurlaub Ende Oktober diesen Jahres. Letztlich entschieden wir uns für die griechische Insel Kreta. Rund drei Stunden Flug nach Chania, Luft-/Wassertemperaturen um die 23 Grad Celsius und ein relativ stabiler Wetterbericht waren ideale Voraussetzungen für unsere Vorhaben. Vor 13 Jahren waren meine Frau und ich schon einmal auf der Insel und hatten bei Tagesausflügen ein paar wunderbare Strände bzw. Lagunen im Westteil entdeckt, die wir nun ausgiebiger besuchen wollten. So schlugen wir unser Domizil in Falassarna ganz im Westen von Kreta auf. Der kleine Ort ist relativ abgelegen und trotz einer weitläufigen Bucht mit feinsandigem Strand touristisch wenig frequentiert, wobei es zu dieser Jahreszeit ohnehin ruhiger wird auf den Griechischen Inseln.

mst1711 4356 mst1711 4178

Unser erster Ausflug ging gleich an den traumhaften Strand von Balos in der Lagune von Gramvousa mit dem davorliegenden Kap Tigani. Für die von Kissamos-Kaliviani ausgehende ca. 9 km lange Anfahrt auf einer aus dem Fels gebrochenen Sand-/Schotterpiste empfiehlt sich auf jeden Fall ein Geländewagen. Unser kleiner Suzuki Jimny war das ideale Fahrzeug dafür. Im Vergleich zu unserem ersten Besuch vor 13 Jahren waren zwar einige Schlüsselstellen der Piste entschärft worden, aber ich wunderte mich trotzdem, dass es doch relativ viele Wagemutige gibt, die Reifen und Unterboden ihres eher straßentauglichen Mietwagens derart auf die Probe stellen. Bereits die Fahrt zu der Lagune bietet spektakuläre Ausblicke in die Fels- und Küstenlandschaft. Am Ende der Piste gibt es einen kleinen Parkplatz, von dem aus ein gut angelegter Pfad mit Steintreppen in knapp 20 Minuten hinunter zum Stand führt. Wer es in der Hauptsaison etwas einfacher haben will, kann sich für Ab- oder Aufstieg mittlerweile auch von einem Esel oder Maultier tragen oder gleich mit einem Ausflugsboot von Kissamos aus herbringen lassen. Trotz der Abgelegenheit von Land aus haben die Ausflugsboote leider dazu geführt, dass mittlerweile am Strand eine Hütte zum Verkauf von kleinen Snacks und einige Sonnenschirmen mit Liegen aufgestellt wurden. Beim Abstieg erlebte ich eines der fotografischen Highlights des Urlaubes, als ich einen Gänsegeier hoch über mir kreisen sah. Dank des mitgenommenen 150–600 mm-Objektivs und einiger Geduld meiner Frau und Tochter, konnte ich erste Flugaufnahmen dieses beeindruckenden Vogels realisieren. Unten am Strand standen in den Dünen riesige in voller Blüte stehende violette Büsche der Besenheide und vereinzelt konnte ich auch noch Blüten des Kopfigen Thymians finden, dessen Sträucher auf der ganzen Insel wachsen und sehr aromatisch duften.

mst1711 3856 mst1711 4165 mst1711 4502

Die nächsten drei Tage ging es dann immer durch die Berge zu der wohl prominentesten Lagune von Kreta – Elafonisi. Bei der ersten Anfahrt konnte ich unverhofft nochmals einen Gänsegeier fotografieren. Oben in den Bergen machten wir kurz Rast an einer grob zusammengezimmerten Hütte am Straßenrand, die mit frisch gepresstem Orangensaft warb. Mitten in dieser „improvisierten Taverne“ stand ein Esel und klaute den 8 verschlafenen Hunden des Eigentümers das Trockenfutter. Die skurrile Idylle wurde vervollständigt durch unzählige Geier, die oberhalb in den Bergen kreisten und permanent von Raben attackiert wurden. Da diese aber zu weit weg waren, hatte ich nicht mit Chancen auf brauchbare Fotos gerechnet und mich eher dem Plausch mit dem lustigen naturverbundenen Eigentümer gewidmet, als auf einmal drei Gänsegeier knapp über der Hütte kreisten. Bis ich meine Kamera mit Objektiv aus dem Jeep geholt hatte, waren sie auch schon wieder weg. Erneut erwiesen sich meine Frau und meine Tochter als sehr geduldig und nach gut einer Stunde kam tatsächlich nochmals ein Geier herunter und zog relativ niedrig einige Runden über mir. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht hatte ich nun doch noch formatfüllende Flugaufnahmen im Kasten und die Fahrt konnte weitergehen. In der Lagune Elafonisi angekommen vermittelte seichtes Wasser in allen Blau-/Türkistönen, staubzuckerfeiner weißer Sand und ein aus zerriebenen Muscheln rosafarbener Strandsaum eher Karibikfeeling als gewohnte Mittelmehridylle. Doch nicht nur meine Frau und meine Tochter waren von dieser Landschaft begeistert. Mir hatte es besonders die kleine vorgelagerte Insel angetan, die durch das niedrige Wasser leicht erreichbar ist und auf der ich einige schöne Makroaufnahmen realisieren konnte. Selbst von der hier häufigen Dünen-Trichternarzisse fand ich noch ein blühendes Exemplar.

mst1711 4720 mst1711 4517

Auch die Bergwelt Westkretas ist sehr imposant mit wilden Schluchten, schroffen Gipfeln, kurvenreichen Straßen und faszinierenden kleinen Dörfern, wo man noch das authentische Leben der Einheimischen spüren kann. In den Hochtälern gibt es auch noch kleinere Wälder und um das Bergdorf Elos wachsen viele Esskastanien. Diese waren gerade reif und bereicherten nicht nur den Chip meiner Kamera sondern auch unseren Speiseplan. Was man auf keinen Fall in Westkreta versäumen sollte, ist die gewaltige Samaria-Schlucht in den Weißen Bergen. Sie führt von 1.200 m Seehöhe über eine Distanz von 17 km hinunter bis zum Libyschen Meer. Da unsere Tochter mit vier Jahren noch zu klein für diese Wanderung ist, haben wir sie dieses Mal ausgelassen. Vor 13 Jahren konnten wir in der Schlucht neben einer sehr interessanten Flora sogar die seltenen endemischen Wildziegen Kri Kri finden und fotografieren – leider damals noch auf Diafilm.

mst1711 5127 mst1711 5208

Doch nicht nur bei unseren Ausflügen konnte ich schöne Naturaufnahmen realisieren. Selbst rund um unsere Ferienwohnung wurde ich auf Brachflächen und in den Olivenhainen fündig. Insbesondere am Abreisetag – Koffer und Jeep waren bereits fertig gepackt – fand ich noch eine hübsche Eidechse, schöne Blühpflanzen (wie beispielsweise den zu der Jahreszeit überall aus dem Boden sprießenden Herbst-Blaustern), einige Insekten und vor allem eine endemische und recht seltene Springspinne (Aelurillus leipoldae). Insgesamt war es eine sehr schöne Woche auf Kreta und ich kann die Jahreszeit nur empfehlen. Es ist nicht mehr so heiß, das Sonnenlicht ist selbst um die Mittagszeit relativ angenehm, nach den ersten vereinzelten Regenfällen erholt sich die karge Landschaft und viele kleine Blühpflanzen erscheinen wieder neu. Ich war überrascht, wie viele unterschiedliche Motive ich in dieser so kurzen Zeit entdecken und ablichten konnte. Kurz gesagt: Familienurlaub und Fotografie ließen sich wieder einmal perfekt kombinieren.

mst1711 5196 mst1711 5138 mst1711 4834

Share
Aktuelle Seite: Home Blog von VTNÖ-Mitgliedern Westkreta - Ende Oktober