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Korfu im Sommer

Ein Bericht von Martin Stolz

Jedes Jahr stellt sich wohl für viele Naturfotografen die Frage, welches Reiseziel ist für den langersehnten Familienurlaub im Sommer geeignet, bietet aber auch die Möglichkeit, unser geliebtes Hobby in dieser Zeit nicht ganz vernachlässigen zu müssen? Gerade zur Schulferienzeit in den heißen Sommermonaten Juli/August ist es nicht ganz einfach den Wunsch nach mediterraner Kultur und Badespaß mit Naturfotografie zu kombinieren.

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Dieses Jahr fiel unsere Wahl erneut auf die griechische Insel Korfu. Vor vier Jahren waren meine Frau und ich Anfang Juni schon einmal dort und hatten einige schöne Plätze entdeckt, die wir unbedingt nochmals aufsuchen wollten. Damals waren wir von der frühsommerlichen Blütenpracht begeistert. Für diesen Urlaub hatte ich mich auf eher karge Vegetation eingestellt und war überrascht, dass doch etliche Blüten verschiedener Pflanzen der hochsommerlichen Hitze trotzten. Korfu gilt ohnehin als eine der grünsten Inseln im gesamten Mittelmeerraum. Zwar wird die Insel in weiten Teilen durch alte Olivenhaine dominiert, neben Relikten aus Zypressen-, Pinien- und Steineichenwäldern herrscht aber auch noch sehr viel der sog. Macchie bzw. Phrygana vor. Als Macchie bezeichnet man Flächen mit zur Strauchform verkümmerten Baumarten, wie beispielsweise Stein- und Kermeseichen, Baumheide und Erdbeerbäumen. In der Pryganna wachsen hingen niedrigere Büsche und Sträucher, wie Mastix, Ginster, Zistrosen, Kreuzdorn, Thymian und Salbei.

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Die erste Woche verbrachten wir dieses Mal im Südwesten der Insel in Agios Georgios Argirades. Der Ort ist noch relativ ruhig, bisher von großen Hotelanlagen verschont geblieben und liegt an einem langen wunderschönen Sandstrand, der sehr flach ins Wasser abfällt und vor allem auch in der Hochsaison keinesfalls überlaufen ist. Frau und Tochter waren also schon einmal begeistert. Mich lockte das angrenzende rund 6.000 Hektar große Naturschutzgebiet um den Korisson-See mit seinen ausgedehnten Sanddünen. Früh morgens vor Sonnenaufgang durch die Dünen zu wandern, den Duft der dort üppig wachsenden Wacholder- und Myrtenbüsche zu riechen und in die für mich völlig neue Tier- und Pflanzenwelt einzutauchen, war ein ganz besonderes Erlebnis. Im Sand waren unzählige Spuren von Kaninchen, Mardern, Echsen, Landschildkröten, verschiedenen Vögeln und vereinzelt sogar von Schlagen zu sehen. Die Tiere zu fotografieren, gestaltete sich hingegen schwieriger als ich dachte. Die am See lebenden Flamingos fand ich zwar, konnte aber nur „Belegaufnahmen“ machen, weil man durch den dichten Schilfgürtel einfach nicht nahe genug an die Vögel herankommt. Riesensmaragdeichechse und Wiedehopf konnte ich ebenfalls sichten, aber leider nicht fotografieren und die hier heimische Griechische Landschildkröte fand ich trotz vieler Spuren erst gar nicht. Dafür konnte ich einige interessante Insekten, Spinnen und vor allem die in den Dünen häufig vorkommenden Dünen-Trichternarzisse ablichten. An zwei Morgen konnte ich sogar erleben, dass Nebel über dem Gebiet lag. Da ich ja bekanntermaßen Fotografie im Nebel sehr mag, waren dies sehr beindruckende Momente für mich, zumal ich vorher noch nie Nebel am Mittelmeer erlebt hatte.

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Die zweite Woche ging es dann in den Nordwesten der Insel, wo wir unser Quartier in Agios Georgios Pagi aufschlugen. Auch hier gibt es keine großen Hotels und allein die Zufahrt aus dem höher gelegenen Bergland über schmale Straßen und durch abgelegene Dörfer ist allein schon ein Genuss. Die große hufeisenförmige Bucht mit einem langen Sand-/Kiesstrand ist eingerahmt von einer Felslandschaft mit uralten Olivenhainen und Zypressenwäldern. Hier konnte ich vor allem verschieden Eidechsen, Insekten und für die Macchie-typischen Pflanzen fotografieren. Dabei habe ich gelernt, dass durch die Hitze vertrocknete Pflanzendetails auch sehr spannende Makromotive sein können.

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Ein wirkliches Highlight ist das etwas höher über der Küste gelegene Nachbardorf Afionas, das auch oft als schönstes Dorf Korfus bezeichnet wird. Hier kann man wunderbare Sonnenuntergänge über den vorgelagerten Diapontischen Inseln erleben und, von hier aus führt ein steiler steiniger Trampelpfad durch Felsen und duftende Macchie zu einer wunderbaren Zwillingsbucht mit herrlicher Natur. Zweimal habe ich ganz früh morgens den Weg dorthin bewältigt, konnte aber leider nie Aufnahmen dieser Bucht ohne eine darin ankernde Jacht umsetzen. Dies ist wahrscheinlich nur im Frühling oder im Spätherbst möglich.

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Den Norden der Insel sollte man keinesfalls auslassen. Vor vier Jahren machten wir einen Ausflug nach Sidari. Der Ort selbst ist sehr touristisch geprägt und fest in englischer Hand. In der Umgebung gibt es aber eine sehr schöne Steilküste mit Sandsteinklippen und mit dem Kap Drastis ein weiteres landschaftliches Highlight der Insel. Auch hier lassen sich neben stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen sehr viele Makroaufnahmen von Wildblumen und Insekten realisieren. Wenn man von Sidari der Küste folgend weiter in Richtung Osten und dann in die Berge fährt, kommt man zu einem der schönsten Plätze auf Korfu – dem verlassenen Bergdorf Paleo Perithia. Umgeben von felsigen Hängen mit duftenden Wildkräutern an den Ausläufern des Pantokratoras – mit 911 Meter höchster Berg Korfus – scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Natur hat die langsam verfallenden Steinhäuser zurück erobert und man kann neben Smaragdeidechsen sehr viele verschiedene Blumen und Insekten – vor allem auch schöne Schmetterlinge, wie Schwalbenschwanz, Segelfalter und den Blauschwarzen Eisvogel – finden.

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Insgesamt ist Korfu eine wunderbare Insel, um Erholungsurlaub mit Naturfotografie zu verbinden. Die Menschen auf Korfu sind sehr aufgeschlossen und gerade dieses Mal hatten wir die Gelegenheit etwas tiefer Einblick in Kultur und Lebensweise der Einheimischen zu bekommen. Kulinarisch hat die Insel auch Einiges zu bieten und die Natur ist noch relativ artenreich. Im Sommer bleibt einem allerdings täglich nur ein kleines Fenster zur ernsthaften Naturfotografie.

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Wenn ich morgens um 6 Uhr meine Touren startete, waren es meist um die 29 Grand Celsius, unmittelbar nach Sonnenaufgang wird es im Hochsommer sehr schnell heiß und das Licht sehr hart, d. h. spätestens um 8 Uhr musste ich dann meist den Rückzug antreten, was selbst mit einer mittleren Fotoausrüstung (Kamera, 18-200 mm-Objektiv, 200 mm-Makro, Telezoom 150-600 mm und Reisestativ) teilweise doch recht schweißtreibend war. In der Mittagszeit war bei gleißendem Sonnenlicht und Temperaturen um die 40 Grand keinesfalls an Fotografie zu denken. Abends gibt es dann aber wieder wunderschöne Lichtstimmungen, allerdings geht die Sonne auch relativ schnell unter.

Von allen Inseln, die ich bisher im Mittelmeerraum besucht habe, ist Korfu – auch aus naturfotografischer Sicht – eine regelrechte Perle und ich habe mir fest vorgenommen wieder zu kommen, am liebsten auch einmal im Frühling, wenn frisches Grün die Insel bedeckt und unter anderem rund 36 verschiedene Orchideenarten zu entdecken sind.

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