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Leben im Mohnfeld - Impressionen eines dritten Sommers

Ein Bericht von Martin Stolz

Eigentlich war ich schon immer von leuchtend roten Mohnblüten fasziniert und hatte auch bereits früher im Frühsommer sporadisch ein paar Makroaufnahmen davon gemacht. Vor gut zwei Jahren entdeckte ich dann in unmittelbarer Umgebung meines Wohnortes ein riesengroßes blühendes Klatschmohnfeld. Nach einigen ersten Aufnahmen stellte ich überrascht fest, dass die Artenvielfalt in solch einem zusammenhängenden Feld viel größer war, als ich erwartet hatte und so beschloss ich damals ein fotografisches Projekt mit dem Thema „Leben im Mohnfeld“ zu beginnen. Über die ersten Resultate hatte ich bereits im VTNÖ-Magazin des vergangenen Jahres geschrieben und hier an dieser Stelle auch schon zwei Berichte über den Verlauf des Projektes im Jahr 2016 veröffentlicht. Dieses Jahr hatte ich erneut Glück und möchte nachfolgend gerne einen Einblick in die Erlebnisse dieses Sommers geben.

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Dass mein ursprüngliches Feld von 2015 letztes Jahr kurv vor der Hauptblüte von Baumaschinen zerstört wurde, war offensichtlich die Voraussetzung für eine erneute üppige Blütenpracht in diesem Sommer. Mohn braucht nämlich offene Flächen zum Keimen und glücklicherweise wurde das betroffene Areal dieses Jahr weder landwirtschaftlich genutzt noch zugebaut – zumindest noch nicht.

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Nach bereits zwei erfolgreichen Sommern war mein Portfolio zu dem Thema zwar schon beachtlich angewachsen, aber ich hatte aus dem vergangen Jahr immer noch eine recht ambitionierte Liste mit Wunschmotiven, die ich zunächst weiter abarbeiten wollte. So begann ich dieses Jahr gezielt nach noch nicht fotografieren Arten im Mohnfeld zu suchen. Wie es aber bei der Naturfotografie häufig der Fall ist, konnte ich in den letzten Wochen leider nur einen kleinen Teil der geplanten Bilder realisieren. Natur ist halt nur „schwer planbar“ – insbesondere, wenn ganz bestimmte Tiere die Protagonisten sein sollen – und es gehört letztlich immer eine große Portion Glück dazu, ganz bestimmte Bilder umsetzen zu können. Das finde ich persönlich aber gar nicht so schlimm, weil sich stattdessen immer wieder neue Impressionen darbieten und sich daraus spontan auch ansprechende Bilder komponieren lassen.

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So habe ich dieses Jahr einige neue Insektenarten auf Mohnblüten, aber auch ganz neue Perspektiven von Blüten bzw. Blütendetails aufgenommen. Besonders schön war beispielsweise ein Morgen, an dem sehr viel Tau auf dem Feld lag. Die dabei entstandenen Detailaufnahmen haben teilweise schon einen leicht abstrakten Charakter und gefallen mir deshalb sehr gut. Dieses Jahr war das Mohnfeld allerdings so dicht und hoch gewachsen, dass ich leider keine neuen Aufnahmen von Kaninchen, Hasen und Rebhühnern auf den Chip bannen konnte. Fasane, Graugänse, Graureiher und Störche haben sich leider auch nicht die Ehre gegeben, ganz abgesehen von meinem sehnlichsten Wunsch, ein Reh oder einen Fuchs in dem Feld ablichten zu können. Aber, ich brauche ja auch noch Ziele für die kommenden Jahre. Dafür brüteten zwei Paare Schafstelzen unmittelbar im Feld und ließen sich bei ihrer Futtersuche im Randbereich kaum durch mich stören. So gelangen mir erneut ansprechende Aufnahmen dieser wunderschönen gelben Vögel vor rotem Mohn. Besonders freut es mich, beide Altvögel mit Futter im Schnabel nebeneinander sitzend und im Flug erwischt zu haben.

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Ich habe auch dieses Jahr meist früh morgens vor der Arbeit die Zeit unmittelbar nach dem Sonnenaufgang für meine Motivsuche genutzt. So sind nicht nur schöne Bilder entstanden, sondern ich bin auch oft mit einem zufriedenen Grinsen auf der Arbeit erschienen – in dem Wissen, schon etwas Schönes erlebt und etwas Kreatives geleistet zu haben. Beides trifft ja nicht unbedingt auf jeden herkömmlichen Arbeitstag zu. Abgerundet wurde mein diesjähriges Mohnprojekt durch viele neue Detailaufnahmen von bereits verblühten bzw. vertrockneten Mohnkapseln. Insbesondere beim Blick von Oben durch den Sucher ergeben sich hübsche geometrische Muster und Formen.

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Es war wieder ein spannender „Mohnsommer“ mit teils sehr schönen Impressionen und stimmungsvollen Aufnahmen. Trotzdem ist die Wunsch-Bildliste eher größer geworden und ich werde dieses für mich besondere Projekt der „Fotografie vor der Haustüre“ nächstes Jahr gerne fortsetzen.

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